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Die Formalitäten

Die Besucherstatistiken dieses Blogs sprechen für sich: Haupt-Suchausdruck bei Google ist “deutsch-bosnische Hochzeit”. Ich glaube, in 77 Tagen machen Herr und Frau Kernkraftwerk sowas ähnliches. Ich frage mich allerdings, was der googelnde Leser genau wissen will…

Wie das so ist, einen Bosnier zu heiraten?
Öhm, schön. So ähnlich, wie einen Deutschen zu heiraten. Oder jeden anderen Landsmann bzw. -frau.
Mit dem einzigen Unterschied, dass mich niemand jemals so lieben wird wie dieser Mann, der zufällig Bosnier ist.

Ob mein Verlobter Moslem ist?
Ja. Auf dem Papier jedenfalls. Ich war auf dem Papier auch mal Protestantin.
Asmir ist der einzige in diesem Haushalt, der Schwein isst. Ich find das nämlich ekelich. So gesehen bin ich also der Moslem in dieser Beziehung. Selbst unsere Katzen leben muslimischer als mein Traummann.

Ob ich nach der Hochzeit ein Kopftuch tragen werde?
Glaub ich nich. Ich find Kopftücher eher unstylisch. Es sei denn, sie hätten Polka Dots….

Wie so ne bosnische Hochzeit eigentlich abläuft?
Weiß ich nicht. Um ehrlich zu sein, weiß ich auch nicht, wie so ne deutsche Hochzeit eigentlich abläuft.
Was ich weiß, ist wie unsere Hochzeit ablaufen wird. Sie wird der schönste Tag in meinem bisherigen Leben sein. Ich weiß, dass mir und meinem Verlobten Traditionen pupsegal sind. Es geht um uns, es ist unser Tag, wen interessieren Traditionen? Couldn’t care less.

Wer hofft, in diesem Blog zumindest einen Hinweis auf kulturelle Differenzen zu finden, sollte jetzt die Ohren spitzen: die Bosnier machen laut Asmir’s Aussage lang nicht so ein Trara um ihre Hochzeiten. Sie beschließen heute, zu heiraten, stehen übermorgen vorm Standesbeamten und gehen danach lustig einen heben.

Wir Deutsche machen das ein bißchen anders. Aber Herr und Frau Kehrwoche haben in sechs Jahren Beziehung gelernt, kompromissbereit zu sein: wir haben uns auf 3 Monate der intensiven Planungsphase geeinigt. Völkerverständigung leicht gemacht!

Spaß beiseite, an dieser Stelle noch ein paar brauchbare Infos zu den Formalitäten, die bei einer deutsch-bosnischen Hochzeit in Deutschland erledigt werden müssen. War es das, was du gesucht hast, googelnder Leser?

Der/die Deutsche braucht:

  • Beglaubigte Abschrift aus dem Geburtenregister – stellt das Standesamt am Geburtsort aus. Anruf genügt, die Urkunde kommt innerhalb weniger Tage mit der Post. Preis: 12 €
  • Aufenthaltsbescheinigung – stellt das Einwohnermeldeamt am aktuellen Wohnort aus. Preis: 5 €
  • Bei Vorehen: alle Heiratsurkunden & Scheidungsurteile
  • Personalausweis oder Reisepass

Der/die Bosnier/in braucht:

  • Geburtsurkunde. Stellt das Standesamt am bosnischen Geburtsort aus. Ist ein mehrsprachiger Vordruck.
  • Bei Vorehen: Heiratsurkunden sämtlicher Vorehen. Stellen die jeweiligen Standesämter aus. Sind ebenfalls mehrsprachige Vordrucke.
  • Bei Vorehen: Scheidungsurteile sämtlicher Vorehen. Stellen die jeweiligen Gerichte aus. Sind nicht mehrsprachig, müssen daher in Bosnien mit Apostille beglaubigt und in Deutschland (!!!) von einem staatlich geprüften Übersetzer (!!!) übersetzt werden. Übersetzungen aus Bosnien werden nicht anerkannt. Falls kein Übersetzer für Serbokroatisch zur Hand ist, einfach mal bei einem Übersetzungsbüro anfragen oder das lokale Amtsgericht kontaktieren. Die können meistens einen empfehlen. Kostenpunkt: +/- 1,50 € pro Zeile mit 60 Anschlägen + 10 € für die Beglaubigung (den so genannten “Stempel”).
  • Ledigkeitsbescheinigung. Stellt das Standesamt des bosnischen Geburtsortes aus. Ebenfalls nicht mehrsprachig, daher Vorgehensweise wie bei Scheidungsurteilen. Apostille nicht vergessen!
  • Das war’s leider noch nicht…
  • Aufenthaltsbescheinigung – stellt das Einwohnermeldeamt am aktuellen Wohnort aus. Preis: 5 €
  • Letzte Lohnabrechnung. Braucht das Oberlandesgericht zur Gebührenfestsetzung bei der Anerkennung von Scheidungsurteilen
  • Pass
  • Geduld, Geduld, Geduld. Nerven wie Drahtseile. Viel schwarzen Humor. Achja, und Geld.

Sonstige Kosten:
Das örtliche Standesamt verlangt noch einmal ca. 80 € für die Feststellung der Ehefähigkeit bei einem Ausländer. Die restlichen Gebühren entsprechen denen einer “normalen” Eheschließung.

Hinweis: Alle Dokumente (bis auf Scheidungsurteile) dürfen zum Zeitpunkt der Eheschließung nicht älter als 6 Monate sein!

Formalitäten und Kosten können sich je nach Bundesland unterscheiden. Die Infos gelten für die Eheschließung mit einem Bosnier mit unbefrister Aufenthaltsgenehmigung (“Niederlassungserlaubnis”).

Es empfiehlt sich, dem Standesamt mindestens 10 Monate vor dem geplanten Termin einen Besuch abzustatten. Die Standesbeamten haben vorgefertige Listen mit erforderlichen Dokumenten für alle möglichen und unmöglichen Nationalitäten. Seid nett zu dem/der Standesbeamten/-beamtin. Der/die kann nämlich nix dafür. Außerdem liegt es in seinem/ihren Ermessen, den Antrag auf Eheschließung anzunehmen.

“Wer ficken will, muss freundlich sein”, wie meine Mutter so schön sagt.

Not a Valentine’s Day sentiment.

… but the truth.

“I had jumped off the edge, and then, at the very last moment, something reached out and caught me in midair.
That something is what I define as love.
It is the one thing that can stop a man from falling, powerful enough to negate the laws of gravity.”

Paul Auster, Moon Palace

Heilige Schuhe…

Meine heiligen Hochzeitsschuhe, die mich mindestens ein Jahr meines Lebens gekostet haben, sind endlich da.
Was soll ich sagen? Sie sind anbetungswürdig. Daher spare ich mir an dieser Stelle die Worte…

 

Noch 86 Tage

Heute haben wir erfahren, dass das Oberlandesgericht unsere Eheschließung “freigegeben”, also offiziell genehmigt hat.

Ich habe an dieser Stelle nicht genügend Selbstironie oder Sarkasmus, um aus diesem lang ersehnten Ereignis ein Geschichtchen zu machen. Ich bin sprachlos. Manche Dinge glaubt man wirklich erst, wenn man sie sieht.

Herr und Frau Möhrchen heiraten.

Wirklich und wahrhaftig.

Ganz ehrlich.

Ohne epische Nachforderungen von Dokumenten, ohne das übliche Drama, ohne die für uns typischen Komplikationen.

Unbelievable.

Ein Ring, ihn zu knechten

Die wichtigste Erkenntnis der letzten sechs Jahre möchte ich gleich vorweg nehmen: ich heirate keinen romantischen Mann. Über dieses Thema werde ich mich aber zu gegebener Zeit noch ausführlicher auslassen.

Am vergangenen Montag habe ich gemeinsam mit meinem unromantischen Verlobten unsere Eheringe ausgesucht. Auch hier gab es endlose Diskussionen im Vorfeld eine kleine Vorgeschichte. Herr Möhrchen war nämlich der festen Überzeugung, keinen Ehering tragen zu wollen. Schließlich habe er dies auch in seiner letzten Ehe nie getan, ein Ring würde ihn bei der Arbeit stören, etc…..

Nachdem Herr Möhrchen seine Liebe zu mir in den letzten Jahren bereits auf umfangreiche Art und Weise unter Beweis gestellt hat und nach der Durchführung meiner ausgedehnten Testverfahren keine Zweifel mehr an seiner Eignung als Ehemann für mich bestehen, beschloss ich nach einigem Hin und Her, seinen Standpunkt zu akzeptieren. Kein Ring, ihn zu knechten.

Ich machte dieses Zugeständnis als Taktiererin, die ich bin, natürlich nicht ohne Hintergedanken: kein Geld für seinen Ehering auszugeben würde ihm Umkehrschluss mehr Geld für meinen bedeuten.

Und so begannen meine Recherchen. Ich erspare euch an dieser Stelle die Entstehungsgeschichte meiner diffusen Vorstellungen, die im Laufe der Zeit so spezifisch wurden, dass sie kaum mehr erfüllbar schienen – die Geschichte meiner Hochzeitsschuhe kann an dieser Stelle adaptiert werden.

Also, was wünschte sich Frau Möhrchen am Ende der Informationsphase? Einen schlichten, einfachen 585er Gelbgoldring mit kleinem, echten Steinchen. Sehr konventionell für meine Verhältnisse. Sehr konventionell im Vergleich zu meinem Faible für Schuhe. Und gar nicht so einfach zu finden, denn momentan geht die Trauring-Mode in Richtung mehrfarbige Scheußlichkeiten. Design vs. Geschmack, I guess.

Aber ich fand schließlich den Juwelier, der den einen Ring besaß und vereinbarte einen Termin.

Zwei Tage vor dem Termin beschloss Herr Möhrchen, dass er nun doch einen Ehering wolle. Schließlich sei es seltsam, wenn nur ich einen solchen tragen würde.

 

Öhm, ja……

 

So saßen wir letzten Montag vor einer freundlichen Dame, die uns äußerst kompetent beriet, und hatten die Qual der Wahl.

Die freie Wahl ist nicht immer schön. Die Gestaltungsmöglichkeiten des Rings erschlugen uns ein wenig. So, wie einen die Fragen zu dem Belag eines Subway-Sandwichs erschlagen. Innen- oder Außenwölbung? Hochglanzpoliert, längs- oder schrägmatt? 0,02 oder 0,03 Karat? Schmelz- oder Frischkäse?

Herr Möhrchen war während des einstündigen Beratungsgesprächs seltsam abwesend. So abwesend, wie er immer ist, wenn in seinen Augen unnötiges Tamtam um eine eigentlich simple Sache veranstaltet wird. So abwesend, dass die nette Dame mit Sicherheit zu der Überzeugung gelangt wäre, ich würde Herrn Möhrchen zur Ehe nötigen oder es handle sich gar um eine Scheinehe.

Der letzte Satz steht ganz bewusst im Konjunktiv, da der Preis unserer wunderschönen Eheringe diese Schlussfolgerung obsolet macht. Und so muss die nette Dame nun für immer mit der unlösbaren Frage leben, was in aller Welt Herrn und Frau Möhrchen auf die Idee gebracht hat, einander zu heiraten.

Arschkleider

Seit etwas über einem Jahr bin ich süchtig nach Kleidern. In dieser Zeit habe ich einige weltbewegende Erkenntnisse über das Kleidungsstück Nr. 1 gewonnen. Im Nachhinein kann ich nicht mehr verstehen, warum ich in den ersten 26 Jahren meines Lebens so unerschütterlich an das Dogma “Jeans und T-Shirt” geglaubt habe. Kleider sind die besten Kleidungsstücke, die die Modewelt jemals für Frauen entwickelt hat. Gut sitzende Kleider relativieren das, was man im Allgemeinen als “Problemzonen” bezeichnet, sind morgens schneller angezogen als jede Jeans und sehen immer schick aus.

So weit, so gut. Die Betonung im oben stehenden Satz liegt auf “gut sitzend”.

Die Modewelt erfindet kein geniales Kleidungsstück, ohne zumindest einen Fallstrick einzubauen. Denn, wir erinnern uns, Mode wird von (zumeist) schwulen männlichen Designern gemacht, die tief im Herzen einen unglaublichen Hass auf Frauen hegen müssen.

In den letzten Jahren haben sich die Herren ein Revival des Minis überlegt. Das bedeutet, wir Frauen sollen Kleider tragen, die gerade mal (oder auch nicht) unseren Hintern bedecken. Knielange, dezente Längen? OUT!

Als Erleichterung dieses “Trends” haben wir die Leggins wiederbekommen. Ein eigentlich todgeglaubtes Highlight der Modegeschichte. Zu Recht. Kein Mensch hätte die Leggins noch ein Mal gebraucht.

Ich fasse zusammen: Wir sollen überlange Pullis tragen, die gerade mal unsere Pobacken verdecken und uns zur Relativierung in ein Kleidungsstück zwängen, das selbst die Beine einer magersüchtigen Frau aussehen lässt, wie Presswürste. Danke, liebe Modedesigner!

Achja, wir haben natürlich auch noch eine Alternative zur Leggins: die angeblich blickdichte Strumpfhose. Yiehah!

Und so sehen wir täglich junge Mädchen vor uns herstacksen, die sich am überlangen Pullover herumzupfen, um sich zu vergewissern, dass ihre vier Buchstaben bedeckt sind. Und erwachsene Frauen, die akrobatische Höchstleistungen demonstrieren, wenn sie versuchen, sich mit ihrem modischen Mini zu setzen, ohne eine allzu intensive Detailansicht ihrer Weichteile zu bieten. Was allerdings nicht immer gelingt. Hot, hot, hot! Die Männerwelt muss begeistert sein.

Nachdem ich gefühlte 20 angeblich “mittellange” Kleider zurückgeschickt habe, die eigentlich wunderschön waren, schiebe ich Frust. Man muss nach tatsächlich knielangen Kleidern suchen, wie nach der Nadel im Heuhaufen.
Herr Möhrchen hat ein Wort für den Minitrend: er nennt die überlangen Pullover “Arschkleider”.

Liebe Modemacher dieser Welt: Ich wünsche mir, dass ihr nur für einen Tag mit einem eurer “mittellangen” Kleider herumlauft. Gerne auch mit “blickdichter” Strumpfhose oder Presswurst-Pelle darunter. Gebt euch die volle Dröhnung: steigt aus einem Auto aus, lauft eine Treppe hoch und setzt euch auf Stühle. Ich bin mir sicher, danach werdet ihr mit Freude wieder Kleider entwerfen, die für eine halbwegs stilvolle Frau tragbar sind.

Noch 100 Tage

Heute rief meine ganz persönliche Heldin vom Standesamt an, um mir mitzuteilen, dass Post vom Oberlandesgericht gekommen sei. Für mein 27jähriges Herz sind derartige Anrufe anstrengend – es beschleunigt innerhalb einer Sekunde von 80 auf gefühlte 180 Schläge pro Minute.

Erst, wenn man versucht, einen Ausländer zu heiraten, lernt man die deutsche Bürokratie richtig kennen. Wenn man so wagemutig ist wie ich und versucht, einen geschiedenen Ausländer zu heiraten, gleicht das einem passiven Selbstmordversuch. Mein Zukünftiger musste einen ganzen Berg von Dokumenten aus drei verschiedenen Orten in Bosnien heranschaffen. Damit aber nicht genug. Die Dokumente dürfen nicht älter als ein halbes Jahr alt sein, müssen in Bosnien durch Apostille beglaubigt werden und von einem Übersetzer in Deutschland übersetzt werden.

Mal davon abgesehen, dass das Herbeischaffen dieser “Papierologie”, wie Herr Möhrchen zu sagen pflegt, unglaublich viel Zeit, Geld und Nerven kostete (und mich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs brachte), sind wir jetzt der Gnade des Oberlandesgerichts ausgeliefert. Dort entscheidet jetzt nämlich irgendein(e) Sachbearbeiter(in) darüber, ob Herr und Frau Möhrchen tatsächlich heiraten dürfen.

Nein, mein Glaube an unser deutsches Rechtssystem ist nicht unerschüttlich. Mein 27jähriges Herz hat in seinem Leben genug gesehen, um zu wissen, dass guter Wille dort, wo Menschen aufeinander treffen, unweigerlich eine Rolle spielt, auch in der deutschen Bürokratie. Sitzt im OLG eine Sachbearbeiterin, die gerade von ihrem Mann zu Gunsten einer jüngeren Frau verlassen wurde, dann könnte sie durchaus auf die Idee kommen, dass auf der Geburtsurkunde von Herrn Möhrchen zwei i-Punkte an der falschen Stelle gesetzt wurden. Und dann würde der ganz normale Irrsinn von vorne beginnen.

Um vor lauter Wahn nicht völlig abzudrehen (und um Herrn Möhrchens Nerven zu schonen, der meine Panik ertragen muss), haben wir im Dezember 2011 einen wichtigen Entschluss gefasst: ganz egal, was ein deutsches oder bosnisches Standesamt oder irgendein OLG davon hält, Herr und Frau Crnalić werden am 05.05.2012 ihre Hochzeit feiern. Wenn die amtliche Eheschließung erst später genehmigt wird, then so be it. Dieser kleine, profane, naheliegende Beschluss hat eine unvorstellbar beruhigende Wirkung auf uns beide. Jedenfalls meistens.

Was meine Heldin der Eheschließungen mir letztlich mitteilen wollte: das OLG fragt, ob Herrn Möhrchen’s Scheidungsurteil offiziell anerkannt werden soll (also die “große” Anerkennung) oder ob eine einfache Anerkennung (die “kleine”) zum Zwecke unserer Eheschließung reicht. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass an den Dokumenten ansonsten nichts zu beanstanden ist. Das bedeutet weiterhin, dass wir möglicherweise in 2-3 Wochen die Bestätigung bzw.  “Genehmigung” unserer Eheschließung erhalten.

Die Zeit läuft uns davon. Als Herr und Frau Möhrchen vor etwas über einem Jahr beschlossen, im Jahr 2012 zu heiraten, schien der große Tag noch weit weg zu sein. Stand heute: ich habe noch 100 Tage, um mich von meinem Nachnamen zu verabschieden.

Ich habe beschlossen, dass meinem Mann die kleine Anerkennung reichen muss. Diese letzte Eheschließung muss genug sein. Für mich wird’s im Leben auch nur diese eine geben.

Und außerdem: Nach mir die Sintflut.

Arschkater Nr. 3

Tja – Glupi. Auch er hatte mal einen richtigen Namen. Nämlich Kasimir, kurz: Kasi. Ich wollte nämlich unbedingt einen Kater namens Kasi. Aber so ist das eben mit schönen Namen: man verschwendet unglaublich viel Zeit daran, sie sich auszudenken und dann kommt es doch anders, als man denkt.

Glupi’s Umfirmierung erfolgte noch in der ersten Woche, nachdem ich wieder bei Asmir eingezogen war. Sie war so treffend, dass ich gar nicht erst versuchte, mit Asmir zu diskutieren. Glupi, bzw. Glupko ist bosnisch für “Dummkopf”. Und dieser Name trifft Glupi’s Wesen auf den Punkt.

Glupi ist ein mittlerweile 10kg schwerer, kniehoher Maine Coon Kater – ein Gigant, ein traumhaft schönes, imposantes Tier. Nur leider eben “glup kao noć” – dumm wie die Nacht.

Der böse Blick ist reiner Selbstschutz.

Der böse Blick ist reiner Selbstschutz.

Glupi’s Einzug war im Gegensatz zu Maca’s völlig unkompliziert – Spatzi’s und Maca’s Gefauche interessierte ihn nicht die Bohne, er begann einfach, die beiden hingebungsvoll zu putzen. Mit aller Gewalt. Die beiden hatten überhaupt keine Chance.

Glupi ist ein freundliches Tier und trägt sehr viel Liebe in sich – für Asmir und mich, für Arschkater Nr. 1 und Maca, aber vor allem für Schuhe. Glupi liebt Schuhe. Er kann stundenlang mit getragenen Schuhen kuscheln und schwebt dabei im siebten Katzenhimmel. Die Glückseligkeit steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Wenn ein Mensch Glupi auch nur halbwegs interessiert anschaut, kommen 10kg Pferd Kater vor Begeisterung maunzend angaloppiert. Und landen am liebsten direkt auf dem Bauch. Schon mal 10kg Kater aus dem Sprung mit den Bauchmuskeln abgefangen? Ganz bezaubernd.

Glupi ist grobmotorisch veranlagt. Während Arschkater Nr. 1 seine Liebe gerne durch Katzenwäsche beweist, verteilt Glupi Liebesbisse, wann immer man ihn streichelt. Mitunter lässt Arschkater Nr. 2 auch Tischkanten und Laptops seine Liebe spüren. Achja, und das Treteln – schon mal die Krallen eines ausgewachsenen Maine Coon Pferdes im Bein gehabt? Wirklich hinreißend.

Wer jetzt denkt, Glupi müsse aufgrund seiner Größe der Chef im Hause sein, der irrt. Körperfülle beugt sich vor Intelligenz. Spatzi ist der Boss. Glupi tut, was Spatzi sagt. Wenn Spatzi damit nicht zufrieden ist, können 10kg Coonie gar nicht schnell genug vor 4kg Wald- und Wiesenmischung wegrennen.

Katerliebe

Katerliebe

Trotz allem muss man Glupi einfach mögen – er hat ein so herzensgutes, einfaches Wesen, dass man ihm nicht böse sein kann. Schließlich ist kätzische Intelligenz nichts, was Katz’ erlernen könnte. Und ein hochintelligenter Arschkater ist mehr als genug.

Was bisher geschah

Ich habe bis zu diesem Punkt über alles Mögliche geschrieben – nur irgendwie nicht über das Thema, das mich/uns momentan am meisten beschäftigt: die Hochzeit. Aber bevor ich anfange, darüber zu jammern, wie kompliziert und aufregend es doch ist, einen Bosnier zu heiraten, sollte ich die letzten 6 Jahre zumindest kurz abhandeln. Denn die waren das eigentlich Aufregende.

Ich begegnete Asmir das erste Mal vor fast 6 Jahren, im Januar oder Februar 2006. Unsere erste Begegnung verlief recht prosaisch, ich hatte einen Studenten-Job als Kellnerin in der örtlichen Pizzeria angenommen, und da war er.  Es war keineswegs Liebe oder auch nur Interesse auf den ersten Blick. Ich war eine Niete als Kellnerin und er war der erfahrene Profi, der mir alles von Anfang an beibringen musste. Ich stellte mich ziemlich dumm an, er verzweifelte fast an mir.

Ich dachte nicht viel über Asmir nach, weder darüber, wie alt er war noch welcher Nationalität er angehörte. Er war einfach da.

Wie er sich schließlich in meinen Kopf und später mein Herz geschlichen hat, kann ich im Nachhinein gar nicht genau sagen. Es fing an, wie es wohl immer anfängt, mit zufälligen Berührungen. Eine Hand auf meiner Schulter zur Bestätigung, ein Arm, der nicht wegzogen wurde, wenn man an der gleichen Stelle arbeitete und eigentlich genug Platz für körperlichen Abstand gehabt hätte, diese Dinge.

Es dauerte aber noch weitere Wochen, bis klar wurde, dass nun irgendetwas passieren musste. Schließlich eine Einladung zum Grillen und eine Nummer auf einem Zettel. Und die schwere Entscheidung, ob ich nun wirklich anrufen sollte.

Ich werde nicht groß drumherum reden. Ich habe angerufen. Es war der 12.06.2006, Fußball-WM in Deutschland, das Spiel Italien gegen Ghana. Das sind die kleinen Dinge, die man nie vergisst.

Es vergingen weitere zwei Jahre, bis ich eines Tages zu meiner Mutter sagte: “Ich werde diesen Mann heiraten.”

Heiraten gehörte in meiner Jugend und meinen frühen Zwanzigern nicht zu den Dingen, die mir im Leben wichtig gewesen wären, an die ich auch nur einen Gedanken verschwendet hätte. Heiraten erschien mir spießig, unnötig in der heutigen Zeit, langweilig. Auf einmal war es jedoch völlig klar, dass ich Asmir heiraten wollte und musste.

Wer die hohe Kunst des Rechnens beherrscht, sieht am Zeitverlauf, dass zwischen dem Moment, als ich das H-Wort zum ersten Mal aussprach und dem Zeitpunkt, zu dem den Worten Taten folgen werden, noch einmal vier Jahre lagen.

Diese vier Jahre waren nicht immer einfach. Um genau zu sein, eigentlich überhaupt nicht einfach. Wir haben uns in dieser Zeit zwei Mal getrennt, ich habe ein Studium geschmissen, Asmir musste sich zu der Entscheidung durchringen, sich von seiner Ex-Frau scheiden zu lassen – das volle Programm an Drama. Als wir uns Ende 2010 endgültig füreinander entschieden, hatte unsere Beziehung mehr Prüfungen bestanden, als andere langjährige Ehen jemals erleben.

Das Drama sollte aber noch nicht beendet sein. Im April 2011, als zwischen uns endlich alles gut war, hatte Asmir einen schweren Hinterwandinfarkt. Den er nur überlebte, weil er zufällig an seinem freien Tag arbeiten gegangen war und Menschen um sich hatte, die ihn sofort ins Krankenhaus brachten. Den er nur überlebte, weil er sieben Leben haben muss.

Achja, und dann im Sommer 2011 der Termin bei der Standesbeamtin. Die uns so viele notwendige Dokumente nannte, dass uns die Ohren schlackerten. Nur, wer in Deutschland versucht, einen Ausländer zu heiraten, lernt die deutsche Bürokratie richtig kennen.

Letzten Endes haben wir in einer langen Odyssee alle Papiere rechtzeitig besorgen können und sie vor einer Woche eingereicht. Jetzt entscheidet das Oberlandesgericht darüber, ob wir beide heiraten dürfen.

Nachdem ich mich aber wochen- und monatelang fast verrückt gemacht hatte, ob alles klappen würde, ob wir die Genehmigung rechtzeitig zu unserem Wunschtermin erhalten würden, beschlossen Asmir und ich das einzig Logische: ganz egal, was ein deutsches Amt darüber denkt, wir werden am 05.05.2012 diese Hochzeit feiern. Unabhängig davon, ob die Ehe dann auch auf irgendwelchen Papieren existiert.

Das bedeutet, dass ich noch gut drei Monate habe, um mich daran zu gewöhnen, ab Mai von meinem “Mann” zu sprechen. Und daran, “Frau Crnalić” zu sein. Und an die kreativen Aussprachen, die sich die Menschen so einfallen lassen, wenn Ihnen exotische Nachnamen mit drei Konsonanten am Stück begegnen.

Ich freu mich drauf!

 

 

Arschkatze Nr. 2

Maca der Rasse der Arschkatzen zuzuordnen, ist eigentlich nicht fair. Denn Maca ist eine echte Lady. Jedenfalls meistens.

Sie war eine Art “Verzweiflungstat”. 2010 beschloss Schatzi nämlich relativ unerwartet, eine Pause von mir zu brauchen. Nein, Arschkater Nr. 1 war nicht der Grund….

Nach Spatzis Einzug stand eigentlich schon fest, dass er nicht alleine bleiben sollte. Schatzi war aber von der Anschaffung einer zweiten Katze partout nicht zu überzeugen. Und eine zweite Aktion à la Spatzi war ihm nicht zuzumuten.

Aaaaber – Frau ist schlau. Frau wäre nicht Frau, wenn sie nicht jeden erdenklichen Schicksalsschlag für sich zu nutzen wüsste. Und so war das erste, was ich tat, als Schatzi mir die Beziehungspause verkündete, mir meinen lang gehegten Traum zu erfüllen: eine Maine Coon Katze.

Nicht etwa irgendeine Maine Coon Katze – nein, eine wild-aussehende schwarz-getigerte Löwin sollte es sein. Ich wurde in Hamburg bei der Mutter einer guten Freundin fündig. Und so kam Maca zu mir.

Maca, die Löwin

Maca, die Löwin

Maca’s Einzug war gar nicht so einfach. Arschkater Nr. 1 war nicht begeistert, dass er mich nun teilen musste und verweigerte aus Protest eine Woche lang das Futter. Dabei war die Eifersucht unbegründet: Maca geizt mit Liebesbekundungen. Jedenfalls gegenüber Frauen. Nachts mein Kissen zu blockieren, ist ok. Sich von mir streicheln zu lassen allerdings nicht. Eine echte Dame eben.

Maca, ganz entspannt.

Maca, ganz entspannt.

Es dauerte einige Zeit, bis ich herausfand, dass Maca nicht grundsätzlich mit allen Menschen ein Problem hat. Sie hält nur Körperkontakt mit Frauen für unter ihrer Würde. Bei dem 1. Besuch meiner Eltern warf sich die Dame so aufdringlich auf meinen Vater, dass ich dachte, jemand hätte meine Katze über Nacht ausgetauscht.

Als Schatzi und ich die Beziehungspause für beendet erklärten, warf sie sich auf Schatzi. Sie drängt sich ihm geradezu auf, wann immer er sich auf die Couch legt. Er darf sie streicheln, so lange er lustig ist. Sie wartet an der Tür auf ihn, sobald sie sein Auto hört. Meine Traumcoonie ist eine Männerkatze. Verräterin!

Ansonsten gibt es nicht viel über Maca zu erzählen. Sie ist lieb. Sie ist freundlich – jedenfalls zu Männern. Frauen ignoriert sie gekonnt. Sie hat bisher kaum etwas nennenswertes in unserer Wohnung zerstört, ganz im Gegensatz zu Arschkater Nr. 1 und Arschkater Nr. 2. Sie straft alles und jeden, das/der ihr nicht passt, mit vernichtenden Blicken. Sie ist eben eine echte Lady.

Der vernichtende Blick der Löwin.

Der vernichtende Blick der Löwin.

Maca hörte ursprünglich auf den blumigen Namen “Dancing in the moonlight”. Wer mich kennt, weiß: viel zu fancy für mich. Also hieß die Katze, in Ermangelung einer besseren Idee, lange einfach nur “Mausi” oder  “Katze”. Schatzi beschloss schließlich, das Elend zu beenden und ihr einen weitaus kreativeren Namen zu geben, nämlich Maca.

Maca ist bosnisch für Katze. Und bei Maca blieb es.